Empörung auch vom BBU über Genehmigung zur Gasförderung in Schaumburg

Die BBU kritisiert Niedersachsens Einstieg in die Förderung von Gas aus unkonventionellen Lagerstätten

Bonn/Hannover/Lüdersfeld. Mit Empörung hat der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU) auf die erteilte Bohrgenehmigung für die Firma Lauenhagengas reagiert. Geplant ist die Förderung der Kohflözgasvorkommen im niedersächsischen Lüdersfeld. Hatte die niedersächsische Landesregierung bislang eine kritische Haltung zur Gasförderung in unkonventionellen Lagerstätten an den Tag gelegt, zeigt sich jetzt, dass sie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) bei Bohrgenehmigungen problemlos gewähren lässt. Davon profitieren die Gasförderunternehmen, während Mensch und Natur das Nachsehen haben. Der BBU fordert die Landesregierung auf, dem ein Ende zu bereiten. In der Fracking-Diskussion hatte die Landesregierung versucht, Tight-Gas-Reservoirs zu konventionellen Lagerstätten zu erklären und damit einem Fracking-Verbot in diesen Gesteinsschichten zu entgehen. Doch diese Argumentation greift hier nicht: Bei den Kohleflözgasvorkommen handelt es sich eindeutig um unkonventionelle Lagerstätten, deren Erkundung und Ausbeutung sich verbieten sollte. Doch auch hier gibt Niedersachsen nun den Startschuss. Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt hierzu: „Erfahrungen damit sind in Deutschland praktisch nicht vorhanden. Dennoch wird leichtfertig ohne jede Umweltverträglichkeitsprüfung oder Öffentlichkeitsbeteiligung die Genehmigung erteilt. Die Region Schaumburg wird so zum Freilandexperiment. Dabei ist gerade dieser Standort denkbar ungeeignet. Die geringe Tiefenlage bietet kaum eine Überdeckung. Der Standort ist vom früheren Kohlebergbau zerrüttet und schon heute lassen sich Methanausgasungen aus dem Untergrund beobachten.“ Offenbar wiederholt das Land die Fehler, die schon zur verborgenen Etablierung des Frackings führten. Anstatt die Folgen einer Technik vorab zu ermitteln und zu bewerten, wird ohne Hemmungen losgebohrt. Damit werden Fakten und künftige Standards geschaffen, die sich kaum noch korrigieren lassen. Es stellt sich auch die Frage, wer für mögliche Schäden dieser Gasförderung aufkommt. Während das LBEG von einer umfassenden Beteiligung des Landkreises spricht, wurde diesem nach Informationen des BBU der Bohrbetriebsplan jedoch gar nicht vorgelegt. Zugleich ist dem BBU unverständlich, wie Wasserbehörde und Landrat auf dieser lückenhaften Basis ihr Einvernehmen erklären können, auf das sich das LBEG nun bezieht. Der BBU fordert daher die niedersächsische Landesregierung auf, das LBEG anzuweisen, die Bohrgenehmigung unverzüglich zurückzunehmen.

Landkreis Schaumburg: Aufsuchungsbohrung genehmig

Presseinformation des Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG):

Die LauenhagenGas GmbH darf ihre Aufsuchungsbohrung Lüdersfeld II im ehemaligen Obernkirchener Steinkohlenrevier im Landkreis Schaumburg vornehmen. Alle beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eingereichten Anträge sind jetzt zugelassen. Die wasserrechtliche Erlaubnis wurde im Einvernehmen mit dem Landkreis Schaumburg erteilt.

Das LBEG hat alle Anträge entsprechend des Bundesberggesetzes (BBergG) sowie des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) unter Beteiligung der Samtgemeinde Lindhorst, der Gemeinde Lüdersfeld und der Fachbehörden des Landkreises Schaumburg geprüft. Dabei wurden sämtliche Aspekte des Umwelt-, Arbeits- und Nachbarschaftschutzes berücksichtigt. Der Bohrplatz ist asphaltiert. Das Bohrloch wird teleskopartig mit mehreren Stahlrohren ausgebaut und mit Zement abgedichtet. Das Unternehmen hat nachgewiesen, dass es finanziell und fachlich in der Lage ist, eine bergbauliche Aufsuchung durchzuführen.

Zudem hat die Lauenhagen Gas GmbH jetzt beim LBEG die Zusammenlegung der Erlaubnisfelder „Steinhude-Restfläche“ (ehemaliger Inhaber ENGIE E&P Deutschland GmbH, ca. 475 km²) und „Lauenhagen“ (ca. 24 km²) zur Erlaubnis „Lauenhagen-Erweiterung“ beantragt. Kern des Antrags ist eine Verkleinerung der Fläche, nur ein Teil des bisherigen Erlaubnisfeldes „Steinhude-Restfläche“ soll verlängert werden. Das neu entstandene Feld ist etwa 211 Quadratkilometer groß und erstreckt sich über Bereiche der Landkreise Schaumburg und Nienburg sowie der Region Hannover. Zurzeit werden die von der Erlaubnis betroffenen Landkreise und Gemeinden über den Antrag informiert.

Durch die Erlaubnis besitzt die LauenhagenGas GmbH das grundlegende Recht, in dem festgelegten Gebiet Erdöl und Erdgas aufsuchen zu dürfen.

Geplante Gasförderung der Firma Lauenhagengas in Schaumburg stoppen

……Pressemitteilung Umweltgruppe 08.Februar 2017……

Geplante Gasförderung der Firma Lauenhagengas in Schaumburg stoppen

  Die durch das Unternehmen Lauenhagengas geplante Gasförderung in Lüdersfeld darf nicht im genehmigt werden. Die Gasförderung aus einer unkonventionellen Gaslagerstätte birgt unkalkulierbare Risiken für Mensch und Natur .

 

Eine geplante Erdgasförderung steht ebenfalls dem Masterplan 100% Klimaschutz“ des Landkreises Schaumburg entgegen. Es wäre ein Schritt zurück, so der Landrat Jörg Farr in einem Gespräch mit der Umweltgruppe . Der „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ solle andere Ausrichtung der Energiegewinnung beinhalten. Wir sind mit dem Landrat einer Meinung, dass die Gasförderung klimapolitisch ein Schritt zurück wäre.

Ebenfalls sind wir der gleichen Meinung wie die der SPD in Schaumburg, die seit 2015 die Räume für zeitgemäße, umweltfreundliche Methoden zur Energiegewinnung zugestellt werden, so Meinhard Behrens von der Umweltgruppe Wiedensahl.
Meinhard Behrens führt weiter aus, dass die Gasförderung aus unkonventionellem Gasvorkommen im eindeutigen Widerspruch zu der Zielsetzung unsere Gesellschaft in Schaumburg liegt. Gasaufsuchung im Landkreis absolut abzulehnen. Der Flächenverbrauch zur prognostizierten Gasförderung ist wesentlich höher als bei der heutigen Gasförderung in Niedersachsen. Es gibt keine Notwendigkeit diese Vorkommen bis zum Ausstieg aus Kohlenwasserstoffen zu fördern. Die gesundheitsgefährdenden Einflüsse, im Zusammenhang mit konventioneller Gasförderung, sind in Niedersachsen seit einigen Jahren entbrannt. Ärzte, Bürger und Gesundheitsministerien diskutieren über erhöhte Krebsfälle rund um Gasförderstätten. Schaumburg ist einer der dicht besiedeltesten Landkreise in Niedersachsen. Es ist unverantwortlich in dieser Besiedlungsstruktur eine Gasförderung zu planen. Die Förderung in nur 500m Tiefe und im Umfeld von alten Kohleabbaugebieten werden die Haftungsfragen nicht eindeutig klären lassen. Die Versicherung der Bonität wird nicht zu eindeutigen Schadensregulierung führen. Die Betroffenen im Landkreis Schaumburg werden sich auf langwierige Rechtsstreitigkeiten einstellen müssen, mit offenem Ausgang. Das Austreten von Methan an die Oberfläche und Ausströmen von Gasen in alten Schachtanlagen durch Kluft Strukturen, werden sich bei einer Förderung nicht ausschließen lassen. Dieses Risiko lässt sich heute nicht beziffern. Das Unternehmen Lauenhagengas bzw. PVG hat keinerlei positive Referenzen für eine erfolgreiche Gasaufsuchung im Kohlenflöz nachzuweisen. Die einzige vergleichbare Bohrung der PVG wurde in Hamm durchgeführt. Die Analyse des Gasvorkommens in Hamm ergab, dass sich eine lukrative Förderung nicht ergebe. Die Stadtwerke haben sich in Hamm von dem Vorhaben und damit von PVG verabschiedet. Den Bürgern in Hamm hat dies Millionen Euro gekostet, so Maik Fahlbusch

von der Umweltgruppe
 

 

Der Verzicht auf eine Grundwassermonitoring zeigt in welcher Richtung die Firma seitens Umweltschutz handelt. Ohne Grundwassermonitoring werden die Anwohner und Landwirte im Ungewissen gelassen. Unabhängig von der Anzahl heute genutzter Brunnen muss ein Monitoring ein Selbstverständnis sein.

 

Generell werden Krankheitsbilder in der Zukunft immer wieder die Frage aufstellen, liegt es an den Gasförderstätten? Ähnlich wie in der heutigen schwach besiedelten Gasförderregionen wird dieser Punkt die Gesellschaft in Schaumburg weit mehr beschäftigen. Immobilien werden den Preis verlieren oder gänzlich unverkäuflich werden, Grundstücke für Investitionen werden mit einem zusätzlichen negativen Punkt bewertete bzw. wie in heutigen Gasförderregionen weniger getätigt. Fragen zum zukünftigen Förderbetrieb wird ausgewichen. Schlimmer noch, es wurde bekannt, dass die Firma den Aufsuchungsraum Richtung Norden und Osten erweitert.

Die Firma Lauenhagengas weicht Fragen zum wirtschaftlichen Förderbetrieb aus. Eine Firma die nicht weiß wie ein wirtschaftlicher Förderbetrieb aussieht, bzw. nicht sagen kann wie die Förderung nach Fund von förderfähigen Gas von statten gehen soll, ist nicht glaubwürdig.

 

Das Signale von der Politik an die Firmen sollten klar sein, die Schaumburger Gesellschaft wird sich keine Förderung von Gas vorstellen können. EXXON und Lauenhagengas muss klar gemacht werden, das Investitionen für die Aufsuchung und Förderung von Gas in Schaumburg kein Sinn hat. Aus klimapolitischen Positionierungen unserer Schaumburger Gesellschaft ist dieses nicht vereinbar.

Wir freuen uns, dass Firmen in Schaumburg investieren wollen, das Signal geht an Firmen die sich auf unsere Schaumburger Klimaschutz Kommitments einlassen.

 

Wir wollen unser dichtbesiedelte Region nicht unnötig mit Gesundheitsrisiken belegen, Zukunft für andere Generationen nicht unnötig aufs Spiel setzen, Lebensqualität verbessern und nicht verschlechtern, Grundstücks- und Immobilienpreise oder Investitionsbegehren nicht unnötig belasten.

 

Mit dieser klaren Botschaft sollten Firmen von Anfang an von unserer Politik konfrontiert werden.

Wir wünschen der Firma Lauenhagengas und EXXON viel Erfolg bei der Neuausrichtung Ihrer Geschäftsfelder. Für die beschlossene Transformation von Fossilen hin zu Erneuerbare Energien brauchen wir Firmen die innovativ an Systemen arbeiten um den Klima und Umweltschutz voranzutreiben. Mit diesen Projekten sind sie willkommen in unserer Schaumburger Gesellschaft.

 

Felder für innovative Lösungen, mit dem Know How dieser Firmen, sind als Beispiel die auszuarbeitenden Sanierungskonzepte für die Giftmülldeponie Münchehagen oder die Standortsuche für die Umlagerung der 12000 rostenden Fässer Atommüll in Leese im benachbarten Landkreis Nienburg.

 

Den gesellschaftlichen Konsens in Schaumburg umsetzen

Gasförderung in Schaumburg stoppen.

Presseinformation Oberlandgericht Celle

Keine Haftung für Verletzung eines Polizeibeamten

Demonstrant haftet nicht für Verletzung eines Polizeibeamten bei MOX-Transport

CELLE. Ein Beklagter, der Mitte November 2012 gegen einen MOX-Transport (Brennelemente-Transport) von der Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield (Großbritannien) zum Kernkraftwerk nach Grohnde demonstriert hat, muss dem Land Niedersachsen nicht die Kosten erstatten, die aufgrund der Verletzung eines Polizeibeamten am Rande des Einsatzes entstanden sind. Dies hat der 5. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes Celle mit seinem Urteil vom 8. Dezember 2016 entschieden (5 U 44/16). Er hat damit die Entscheidung des Landgerichtes Hannover vom 2. Februar 2016 aufgehoben.

Der Beklagte hatte sich zunächst an den Transport-LKW gekettet, wurde von Polizeibeamten befreit und von der Straße gebracht. Erst im Anschluss daran, bei Maßnahmen zur Personalienfeststellung, verletzte sich nach Überzeugung des Senats ein Polizeibeamter an der Hand und war bis Ende März 2013 arbeitsunfähig. Im dem Rechtsstreit hat das Land Heilbehandlungskosten und Bezüge des Beamten in Höhe von rund 15.000 € erstattet verlangt.

Dem hat der Senat nicht entsprochen. In diesem Einzelfall habe sich in der bedauerlichen Verletzung des Polizisten nicht das spezifische Einsatzrisiko verwirklicht. Der Senat habe nämlich nicht feststellen können, dass zwischen der Verletzung und einem rechtswidrigen Verhalten des Beklagten ein so enger Zusammenhang besteht, dass der Beklagte für den entstehenden Schaden aufkommen müsse. Der Beklagte sei im Zeitpunkt der Verletzung, wie ein Video des Einsatzes belege, bereits jenseits der Leitplanke gewesen. Sein Transport von der Straße sei also abgeschlossen gewesen. Dadurch sei eine Zäsur eingetreten, die den Zusammenhang der Verletzung mit dem gesteigerten Einsatzrisiko des Beamten in diesem Fall entfallen lasse.

 

Berufungsverhandlung / Urteil wird am 08.Dezember erwartet

Zum Artikel unten: Skurriles Nachspiel zu MOX-Transport

Der Senat hatte dem Land sogar nahegelegt, die Klage zurück zu nehmen . Das wollte das Land nicht tun, aus grundsätzlichen Erwägungen. Wir gehen davon aus, dass wir mit der Berufung hier einen vollen Erfolg erzielen werden und eine Haftung verneint wird.

Das endgültige Urteil will das Oberlandgericht am 8. Dezember 2016 verkündet.

Hier der NDR Bericht vom 09.November 2016:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Muss-AKW-Gegner-fuer-verletzten-Polizisten-zahlen,hallonds35876.html

Skurriles Nachspiel zu MOX-Transport

MOX-Transport

Foto: Michaela Mügge

Demonstrant soll für das Missgeschick eines Polizisten zahlen, das er gar nicht verursacht hat

Berufungsverhandlung:Mi., 09.11.2016, 11.00 Uhr Oberlandesgericht Celle, Schloßpl. 2, 29221 Celle

(über Interesse / Solidarität vor Ort, am o.g. Termin, würden wir und freuen)

(2016-10-28 / Presseinfo) Weil sich ein Beamter beim hektischen Versuch der Personalien-Feststellung nach einer Aktion verletzte, soll ein Demonstrant jetzt über 15.121,72 € Heilkosten zahlen. Dabei lag dieser am Boden und hat sich völlig passiv verhalten. AKW-Gegner sehen darin einen indirekten Angriff auf die Versammlungsfreiheit und fordern vom Land, die Klage zurück zu nehmen. Die Berufungsver­hand­lung findet am 9. November vor dem OLG Celle statt.

Unter landesweiten Protesten wurden im November 2012 Plutonium-MOX- Brennelemente aus dem briti­schen Sellafield via Nordenham ins Nieder­sächsi­sche AKW Grohnde transportiert. Kurz bevor der Transport das AKW erreichte, versammel­ten sich spontan mehrere Demon­stran­ten, um ihn zu blockie­ren, einer von ihnen kettete sich mit einem Rohr unter dem LKW fest. Er wurde von der Polizei vom LKW gelöst, schmerzhaft von der Straße entfernt und unsanft über eine Leitplanke geworfen. Der Betrof­fe­ne rollte eine Böschung hinunter und blieb dort – die Hände noch immer in dem Rohr gefesselt – be­nom­men liegen. Ohne ihm die Chance zu ge­ben, sich selber aufzurichten, ver­suchte ein Beamter ihn hochzuzerren, um die Personalien festzu­stellen. Weil der Beamte sich hierbei eine „Ruptur des Discus des linken Handgelenkes“ zugezo­gen habe, verlangt das Land Niedersachsen von dem Betroffenen 15.121,72 € für Heilkosten u.a.

Das Landgericht Hannover gab dem Land am 2.2.2016 überraschend recht und verwies darauf, dass auch ein Flüchtender für die Folgen seiner Flucht aufkommen müsse.

Das sei doch ziemlich abwegig, meint Rechtsanwalt Nickel aus Bielefeld, der für den Betrof­fenen Berufung beim OLG Celle eingelegt hat: „Das allgemeine Einsatzrisiko eines Polizeibeamten darf nicht auf einzelne Teilnehmende einer Demonstration abgewälzt werden“. Sein Mandant sei nicht geflüchtet, sondern habe wehrlos am Boden gelegen. Abseits der Straße habe es auch keine Risikosituation oder beson­dere Eile gegeben, die Personalien festzustellen. Wenn der Beamte sich verletzt habe, dann doch nicht auf­grund der Pro­test-Versammlung, sondern weil er sich bei einer normalen dienstlichen Maßnahme übereilt und unge­schickt verhalten habe.

Die Regionalkonferenz AKW Grohnde abschalten fordert vom Land die Rück­nah­me der unsinn­igen Schadensersatzforderung. Offensichtlich wage das Land nicht, Legitimität und Legalität der öffentlichen Aktionen in Frage zu stellen und versuche jetzt, einen einzelnen Teilnehmer privat ab­zu­strafen.

„Das Verfahren greift das Versammlungsrecht zwar nicht direkt an, aber für jede/n einzelnen Teil­neh­merIn jeder Versammlung wäre es schon bedrohlich, für ungeschicktes und abwe­gi­ges Ver­hal­ten von Be­am­ten außerhalb der Versammlung zur Kasse gebeten werden zu können“, wer­tet Peter Dickel, 2012 einer der An­mel­der der Proteste um Grohnde, das Vorgehen des Landes.

Berufungsverhandlung:

  • Mi., 09.11.2016, 11.00 Uhr Oberlandesgericht Celle, Schloßpl. 2, 29221 Celle

Rückfragen:

  • Rechtsanwalt Sebastian Nickel,  0521 – 3932200
  • Peter Dickel, 0174 – 3576821

Kritik am Umgang mit der Giftmülldeponie Münchehagen

 

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Am Donnertag den 09.Juni 2016 überreichte Meinhard Behrens  im Namen  der Umweltgruppe Wiedensahl und  der  BI „Stoppt den Giftmüll! sowie der BI „Rehburg-Loccumer Bürger gegen Giftmüll“ dem niedersächsichen Umweltminister Stefan Wenzel in Hannover einen offenen Brief mit Kritik, gerichtet an die Landesregierung im Umgang mit der  Giftmülldeponie Münchehagen.

offener Brief:

Petershagen, Rehburg-Loccum, Wiedensahl, den 08. Juni 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem Stichwort „Giftmülldeponie Münchehagen“ verbinden wir eine illegal entstandene, hochgiftige Sonderabfalldeponie, ein missglücktes Mediationsverfahren, bauliche Maßnahmen zur Abdichtung der Deponie und die Beobachtung der Wirksamkeit dieser Sicherungsmaßmaßnahmen. Einmal jährlich gibt es hierzu eine Pressekonferenz, durch die der Eindruck vermittelt wird, es sei alles unter Kontrolle, das Problem des Schadstoffaustritts sei im Prinzip gelöst, man kümmere sich, und eine Gefahr für Mensch und Umwelt bestehe nicht.

Mit anderen Worten: Der „Münchehagen-Komplex“ dümpelt, politisch gesehen, so vor sich hin und hat gute Aussichten, mittelfristig komplett still gelegt zu werden.

Das aber darf nicht geschehen! Denn die Unzulänglichkeiten der Sicherung und die offenbare Absicht der niedersächsischen Landesregierung, den heutigen Zustand in eine möglichst billige Dauerlösung zu überführen, werden die Risiken für die Bevölkerung steigern statt sie zu mindern.

Mit diesem Schreiben möchten wir Sie auf unsere Bedenken und auf unsere Forderungen bezüglich der Giftmülldeponie Münchehagen aufmerksam machen, rechtzeitig bevor uns auf der Pressekonferenz in der zweiten Jahreshälfte wieder die Beruhigungspille verabreicht wird.

Unsere Kritik im Einzelnen:

Die Deponie ist nicht dicht! Diese Aussage gilt immer noch, denn die Sicherungsbauwerke (Abdeckung und Dichtwand) verhindern nicht den Abfluss kontaminierten Grundwassers, sondern vermindern ihn nur. Das Bewertungsgremium meint, das sei hinnehmbar, weil die Abläufe sehr langsam seien. Dem widersprechen wir. Rein rechnerisch, nach den zugrunde liegenden Modellvorstellungen, beträgt die Unterströmung der Deponie 20 m3 täglich. Demnach verlässt also jeden Tag etwa der Inhalt eines Tanklastzuges giftigen Grundwassers die Deponie unterhalb der Dichtwand. Wenn man das Grundwasserfließmodell in Frage stellt (vgl. Kästchen unten), kann auch von deutlich höheren Abflussmengen ausgegangen werden.

Das vertraglich vereinbarte Gremium, das die Wirksamkeit der Sicherungselemente bewerten soll, kommt jedes Jahr zu dem Schluss, dass die Grundwassermengen und –bewegungen an bestimmten Stellen der Deponie nicht zu erklären sind. Wenn die Unklarheiten in den 15 Jahren nach dem Bau der Schlitzwand bis heute nicht behoben werden konnten, sind nur drei Folgerungen möglich:

  • Entweder stimmen die Basisdaten nicht
  • oder die Modellvorstellung ist fehlerhaft
  • oder die verbaute Technik versagt.

Statt die drei möglichen Fehlerquellen konsequent, d.h. aktiv, zu überprüfen, werden die Beobachtungsparameter an die jeweils auffällige Situation „angepasst“. Die Niedersächsische Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfall (NGS) und das Bewertungsgremium sollten vielmehr bedenken, dass ein „instabiler Systemzustand“ nicht durch Messungen oder Umbewertungen stabil und kalkulierbar wird, sondern nur durch konkrete Eingriffe – oder man gesteht sich ein, dass die SAD weiter undicht ist und ein Risiko darstellt.

Wir sind besorgt, dass das Überwachungsprogramm und seine Bewertung als Mittel missbraucht werden, um einen „stabilen Systemzustand ohne äußere Eingriffe bei minimalem und also hinnehmbarem Schadstoffaustritt“ zu proklamieren, um damit die Sicherungselemente festzuschreiben und um die Giftmülldeponie Münchehagen für alle Zeiten so liegen zu lassen, wie sie ist.

Wir befürchten, dass Beobachtungsstandards unter Berufung auf Aussagen des Bewertungsgremiums auf das Niveau x-beliebiger Altlasten heruntergefahren werden, trotz des Gefahrenpotentials der Giftmülldeponie, das in den 80er und 90er Jahren weltweit für Aufsehen gesorgt hat.

Zudem stößt es hier bei allen Betroffenen auf Unverständnis, dass ein bestehender Vertrag über die Sicherung der Altlast Münchehagen zwischen dem Land Niedersachsen und der NGS am 31.12.2016 endet und dass das Umweltministerium in Erwägung zieht, einen Anschlussauftrag öffentlich auszuschreiben. Alle kommunalen Vertragspartner, die Anlieger und die Bürgerinitiativen lehnen diese Entwicklung ab. Historisches Wissen der NGS-Mitarbeiter rund um die Deponie ist für eine weitere sachgerechte Bearbeitung der Altlastproblematik der illegalen Giftmülldeponie Münchehagen von größter Bedeutung.

Das Langzeitziel muss die Beseitigung des illegal abgelagerten Giftmülls sein und bleiben. Daher appellieren wir an die betroffenen Kommunen und die Anwohner, ihren Beseitigungsanspruch auf keinen Fall aufzugeben und die vertragliche Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen nicht auslaufen zu lassen, ohne den Fortbestand der Sanierungsoption und die Option zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen rechtlich abgesichert zu haben.

Was vor 20 Jahren noch unmöglich schien, nämlich die Bergung, der Abtransport und die Entsorgung des Giftmülls, ist heute Stand der Technik. Das hat die Sanierung der Giftmülldeponie in Kölliken (Schweiz) eindrucksvoll gezeigt. Im Falle der SAD Münchehagen hat das Verwaltungsgericht Hannover 1988 noch ein Bescheidungsurteil*) zugunsten der Gemeinden aussprechen müssen. Heute hätte das Gericht das Land zur Beseitigung der Giftmülldeponie verpflichten können.

Wir rufen Sie auf, den Münchehagen-Komplex nicht aus den Augen zu verlieren, sich der weiter bestehenden Risiken für Mensch und Umwelt bewusst zu sein und Ihre Ansprüche und Optionen bis hin zur Beseitigung zu wahren.

gez. Wolfgang Riesner     gez. Wolfgang Völkel         gez. Meinhard Behrens

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BI „Stoppt den Giftmüll!“    BI „Rehburg-Loccumer      Umweltgruppe Wiedensahl

                                           Bürger gegen Giftmüll“

 

 

 

 

Stillstand geht weiter: Steht Grohnde vor dem Aus?

(29.5.16/KS) Noch einmal wird ein neuer Anfahrtermin bekannt gegeben. Laut aktueller Presseinfo des Niedersächsischen Umweltministeriums plant E.on das Wiederanfahren nun am 13. Juni. Seit Beginn der Revisionsarbeiten Anfang April steht die Anlage jetzt still. Immer wieder wurde ein neuer Anfahrtermin bekannt gegeben mit der Begründung, die Arbeiten im Zusammenhang mit der beschädigten Nachkühlpumpe seien noch nicht abgeschlossen. Bliebe es tatsächlich beim aktuell angekündigten Termin, wäre der Reaktor dann rund zweieinhalb Monate außer Betrieb. Offensichtlich ist es ein äußerst komplizierter…….

weiter unter: http://www.grohnde-kampagne.de/

AKW Grohnde bis zum 05.Juni abgeschaltet

11111111111Schluss mit der Flickschusterei – Grohnde muss endlich stillgelegt werden

(KS/11.5.16) Der alarmierende Befund einer ausgefallenen Kühlpumpe im AKW Grohnde zieht weitere Untersuchungen nach sich und wird die nun schon vier Wochen andauernde Stillstandsphase bis zum 5. Juni ausdehnen. Offensichtlich hat Umweltminister Wenzel in seiner Aufsichtsfunktion neue Anordnungen getroffen. E.on wird jetzt die vier im Primärkreislauf befindlichen Dampferzeuger und die zum Einsatz vorgesehenen Brennelemente prüfen.

Zwar begrüßen die Vertreter der Regionalkonferenz die atomaufsichtlichen Aktivitäten. Jedoch ersetzen ……………..weiter unter :  www.grohnde-kampagne.de

 

AKW Grohnde bleibt mindestens bis 22.05.2016 stillgelegt!

kkkkkkkkkkkkkkkkkAusgefallene Nachkühlpumpe im AKW Grohnde: Regionalkonferenz fordert von Minister Wenzel Sofortmaßnahmen im Notfallschutz

 (KS/27.4.16) Als Konsequenz auf den Ausfall der Nachkühlpumpe hat Umweltminister Wenzel als Leiter der zuständigen Atomaufsicht jetzt umfangreiche Untersuchungen an dem Bauteil angeordnet [NMU-Presseinfo] . Das reicht den Vertretern der Regionalkonferenz jedoch nicht. Sie schickten gestern einen Brief an den Minister, in dem sie ihn aufforderten, unverzüglich Maßnahmen anzuordnen, die den anlageninternen Notfallschutz zu jeder Zeit voll gewährleisten….

30 Jahre nach Tschernobyl: AKW Grohnde wegen Schaden im Kühlsystem abgeschaltet

Man kann sich auch besssere Meldungen zu Jahrestagen wünschen. Während Betreiber E.ON zum 5. Fukushima-Jahrestag im März einen Stromerzeugungs-„Weltrekord“ beim AKW Grohnde verkündete, bleibt das AKW nun am 30 Tschernobyl-Jahrestag wegen Schäden im Kühlsystem abgeschaltet. Die Schäden wurden zudem erst veröffentlicht, als Atomkraftgegner Nachfragen stellten.

Ging AKW-Betreiber e.on auf Rekordjagd und riskierte damit die Schäden, die nun erst bei der „Revision“, einer regelmäßigen Abschaltung für Wartungsarbeiten, entdeckt wurden? Eine Kühlpumpe sei mechanisch defekt und Verschraubungen im „Volumenregelsystem“ undicht. Beides wichtige Teile zur Kontrolle und Kühlung des Reaktors. Zwei Wochen länger als geplant, bleibe das AKW vermutlich vom Netz.

Anwohner klagen aktuell gegen den Weiterbetrieb des AKW. Ihre Unterstützer von der „Regionalkonferenz Grohnde abschalten!“ fordern seit langem die Stilllegung: Das AKW wäre nicht mehr genehmigungsfähig, Schutz vor großen Gefahren wurde beim Bau nicht berücksichtigt. Nachrüstungen von völlig sinnfreien „Nebelmaschinen“ gegen Angriffe mit Flugzeugen sind nur politische Nebelkerzen, erhöhten aber nicht real die Betriebssicherheit.

„Offensichtlich schlummern häufig Defekte im AKW Grohnde, die von keinem Kontrollsystem erfasst werden und somit mindestens bis zu den Revisionsarbeiten unentdeckt bleiben. Das ist besorgniserregend und muss die Niedersächsische Atomaufsicht endlich alarmieren, entsprechende Maßnahmen anzuordnen“, sagt Karsten Schmeißner von der Regionalkonferenz.

Dass in Grohnde aktuell etwas nicht stimmt, war erst aufgefallen, als zwei Tage nach dem geplanten Revisionsabschluss am 17. April noch immer kein Rauch über den Kühltürmen sichtbar war. Erst auf Nachfrage in Fachkreisen erfuhr die Regionalkonferenz von den Vorfällen. Und erst dann veröffentlichten e.on am 20.4. und das Niedersächsische Umweltministerium am 21.4. entsprechende Pressemitteilungen.

„Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit erst Tage später informiert wird. Die Bevölkerung hat das Recht, unmittelbar nach bekannt werden solcher Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt zu werden,“ so Karsten Schmeißner weiter. Erinnert sei an die Beinahe-Katastrophe vom April 2014 im Französischen AKW Fessenheim. Erst jetzt, zwei Jahre später, ist es Journalisten gelungen, den Vorfall aufzudecken. Mehr Sicherheit schafft nur eines: Die Stilllegung aller AKW!