Kritik am Umgang mit der Giftmülldeponie Münchehagen

 

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Am Donnertag den 09.Juni 2016 überreichte Meinhard Behrens  im Namen  der Umweltgruppe Wiedensahl und  der  BI „Stoppt den Giftmüll! sowie der BI „Rehburg-Loccumer Bürger gegen Giftmüll“ dem niedersächsichen Umweltminister Stefan Wenzel in Hannover einen offenen Brief mit Kritik, gerichtet an die Landesregierung im Umgang mit der  Giftmülldeponie Münchehagen.

offener Brief:

Petershagen, Rehburg-Loccum, Wiedensahl, den 08. Juni 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem Stichwort „Giftmülldeponie Münchehagen“ verbinden wir eine illegal entstandene, hochgiftige Sonderabfalldeponie, ein missglücktes Mediationsverfahren, bauliche Maßnahmen zur Abdichtung der Deponie und die Beobachtung der Wirksamkeit dieser Sicherungsmaßmaßnahmen. Einmal jährlich gibt es hierzu eine Pressekonferenz, durch die der Eindruck vermittelt wird, es sei alles unter Kontrolle, das Problem des Schadstoffaustritts sei im Prinzip gelöst, man kümmere sich, und eine Gefahr für Mensch und Umwelt bestehe nicht.

Mit anderen Worten: Der „Münchehagen-Komplex“ dümpelt, politisch gesehen, so vor sich hin und hat gute Aussichten, mittelfristig komplett still gelegt zu werden.

Das aber darf nicht geschehen! Denn die Unzulänglichkeiten der Sicherung und die offenbare Absicht der niedersächsischen Landesregierung, den heutigen Zustand in eine möglichst billige Dauerlösung zu überführen, werden die Risiken für die Bevölkerung steigern statt sie zu mindern.

Mit diesem Schreiben möchten wir Sie auf unsere Bedenken und auf unsere Forderungen bezüglich der Giftmülldeponie Münchehagen aufmerksam machen, rechtzeitig bevor uns auf der Pressekonferenz in der zweiten Jahreshälfte wieder die Beruhigungspille verabreicht wird.

Unsere Kritik im Einzelnen:

Die Deponie ist nicht dicht! Diese Aussage gilt immer noch, denn die Sicherungsbauwerke (Abdeckung und Dichtwand) verhindern nicht den Abfluss kontaminierten Grundwassers, sondern vermindern ihn nur. Das Bewertungsgremium meint, das sei hinnehmbar, weil die Abläufe sehr langsam seien. Dem widersprechen wir. Rein rechnerisch, nach den zugrunde liegenden Modellvorstellungen, beträgt die Unterströmung der Deponie 20 m3 täglich. Demnach verlässt also jeden Tag etwa der Inhalt eines Tanklastzuges giftigen Grundwassers die Deponie unterhalb der Dichtwand. Wenn man das Grundwasserfließmodell in Frage stellt (vgl. Kästchen unten), kann auch von deutlich höheren Abflussmengen ausgegangen werden.

Das vertraglich vereinbarte Gremium, das die Wirksamkeit der Sicherungselemente bewerten soll, kommt jedes Jahr zu dem Schluss, dass die Grundwassermengen und –bewegungen an bestimmten Stellen der Deponie nicht zu erklären sind. Wenn die Unklarheiten in den 15 Jahren nach dem Bau der Schlitzwand bis heute nicht behoben werden konnten, sind nur drei Folgerungen möglich:

  • Entweder stimmen die Basisdaten nicht
  • oder die Modellvorstellung ist fehlerhaft
  • oder die verbaute Technik versagt.

Statt die drei möglichen Fehlerquellen konsequent, d.h. aktiv, zu überprüfen, werden die Beobachtungsparameter an die jeweils auffällige Situation „angepasst“. Die Niedersächsische Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfall (NGS) und das Bewertungsgremium sollten vielmehr bedenken, dass ein „instabiler Systemzustand“ nicht durch Messungen oder Umbewertungen stabil und kalkulierbar wird, sondern nur durch konkrete Eingriffe – oder man gesteht sich ein, dass die SAD weiter undicht ist und ein Risiko darstellt.

Wir sind besorgt, dass das Überwachungsprogramm und seine Bewertung als Mittel missbraucht werden, um einen „stabilen Systemzustand ohne äußere Eingriffe bei minimalem und also hinnehmbarem Schadstoffaustritt“ zu proklamieren, um damit die Sicherungselemente festzuschreiben und um die Giftmülldeponie Münchehagen für alle Zeiten so liegen zu lassen, wie sie ist.

Wir befürchten, dass Beobachtungsstandards unter Berufung auf Aussagen des Bewertungsgremiums auf das Niveau x-beliebiger Altlasten heruntergefahren werden, trotz des Gefahrenpotentials der Giftmülldeponie, das in den 80er und 90er Jahren weltweit für Aufsehen gesorgt hat.

Zudem stößt es hier bei allen Betroffenen auf Unverständnis, dass ein bestehender Vertrag über die Sicherung der Altlast Münchehagen zwischen dem Land Niedersachsen und der NGS am 31.12.2016 endet und dass das Umweltministerium in Erwägung zieht, einen Anschlussauftrag öffentlich auszuschreiben. Alle kommunalen Vertragspartner, die Anlieger und die Bürgerinitiativen lehnen diese Entwicklung ab. Historisches Wissen der NGS-Mitarbeiter rund um die Deponie ist für eine weitere sachgerechte Bearbeitung der Altlastproblematik der illegalen Giftmülldeponie Münchehagen von größter Bedeutung.

Das Langzeitziel muss die Beseitigung des illegal abgelagerten Giftmülls sein und bleiben. Daher appellieren wir an die betroffenen Kommunen und die Anwohner, ihren Beseitigungsanspruch auf keinen Fall aufzugeben und die vertragliche Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen nicht auslaufen zu lassen, ohne den Fortbestand der Sanierungsoption und die Option zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen rechtlich abgesichert zu haben.

Was vor 20 Jahren noch unmöglich schien, nämlich die Bergung, der Abtransport und die Entsorgung des Giftmülls, ist heute Stand der Technik. Das hat die Sanierung der Giftmülldeponie in Kölliken (Schweiz) eindrucksvoll gezeigt. Im Falle der SAD Münchehagen hat das Verwaltungsgericht Hannover 1988 noch ein Bescheidungsurteil*) zugunsten der Gemeinden aussprechen müssen. Heute hätte das Gericht das Land zur Beseitigung der Giftmülldeponie verpflichten können.

Wir rufen Sie auf, den Münchehagen-Komplex nicht aus den Augen zu verlieren, sich der weiter bestehenden Risiken für Mensch und Umwelt bewusst zu sein und Ihre Ansprüche und Optionen bis hin zur Beseitigung zu wahren.

gez. Wolfgang Riesner     gez. Wolfgang Völkel         gez. Meinhard Behrens

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BI „Stoppt den Giftmüll!“    BI „Rehburg-Loccumer      Umweltgruppe Wiedensahl

                                           Bürger gegen Giftmüll“

 

 

 

 

Stillstand geht weiter: Steht Grohnde vor dem Aus?

(29.5.16/KS) Noch einmal wird ein neuer Anfahrtermin bekannt gegeben. Laut aktueller Presseinfo des Niedersächsischen Umweltministeriums plant E.on das Wiederanfahren nun am 13. Juni. Seit Beginn der Revisionsarbeiten Anfang April steht die Anlage jetzt still. Immer wieder wurde ein neuer Anfahrtermin bekannt gegeben mit der Begründung, die Arbeiten im Zusammenhang mit der beschädigten Nachkühlpumpe seien noch nicht abgeschlossen. Bliebe es tatsächlich beim aktuell angekündigten Termin, wäre der Reaktor dann rund zweieinhalb Monate außer Betrieb. Offensichtlich ist es ein äußerst komplizierter…….

weiter unter: http://www.grohnde-kampagne.de/

AKW Grohnde bis zum 05.Juni abgeschaltet

11111111111Schluss mit der Flickschusterei – Grohnde muss endlich stillgelegt werden

(KS/11.5.16) Der alarmierende Befund einer ausgefallenen Kühlpumpe im AKW Grohnde zieht weitere Untersuchungen nach sich und wird die nun schon vier Wochen andauernde Stillstandsphase bis zum 5. Juni ausdehnen. Offensichtlich hat Umweltminister Wenzel in seiner Aufsichtsfunktion neue Anordnungen getroffen. E.on wird jetzt die vier im Primärkreislauf befindlichen Dampferzeuger und die zum Einsatz vorgesehenen Brennelemente prüfen.

Zwar begrüßen die Vertreter der Regionalkonferenz die atomaufsichtlichen Aktivitäten. Jedoch ersetzen ……………..weiter unter :  www.grohnde-kampagne.de

 

AKW Grohnde bleibt mindestens bis 22.05.2016 stillgelegt!

kkkkkkkkkkkkkkkkkAusgefallene Nachkühlpumpe im AKW Grohnde: Regionalkonferenz fordert von Minister Wenzel Sofortmaßnahmen im Notfallschutz

 (KS/27.4.16) Als Konsequenz auf den Ausfall der Nachkühlpumpe hat Umweltminister Wenzel als Leiter der zuständigen Atomaufsicht jetzt umfangreiche Untersuchungen an dem Bauteil angeordnet [NMU-Presseinfo] . Das reicht den Vertretern der Regionalkonferenz jedoch nicht. Sie schickten gestern einen Brief an den Minister, in dem sie ihn aufforderten, unverzüglich Maßnahmen anzuordnen, die den anlageninternen Notfallschutz zu jeder Zeit voll gewährleisten….

30 Jahre nach Tschernobyl: AKW Grohnde wegen Schaden im Kühlsystem abgeschaltet

Man kann sich auch besssere Meldungen zu Jahrestagen wünschen. Während Betreiber E.ON zum 5. Fukushima-Jahrestag im März einen Stromerzeugungs-„Weltrekord“ beim AKW Grohnde verkündete, bleibt das AKW nun am 30 Tschernobyl-Jahrestag wegen Schäden im Kühlsystem abgeschaltet. Die Schäden wurden zudem erst veröffentlicht, als Atomkraftgegner Nachfragen stellten.

Ging AKW-Betreiber e.on auf Rekordjagd und riskierte damit die Schäden, die nun erst bei der „Revision“, einer regelmäßigen Abschaltung für Wartungsarbeiten, entdeckt wurden? Eine Kühlpumpe sei mechanisch defekt und Verschraubungen im „Volumenregelsystem“ undicht. Beides wichtige Teile zur Kontrolle und Kühlung des Reaktors. Zwei Wochen länger als geplant, bleibe das AKW vermutlich vom Netz.

Anwohner klagen aktuell gegen den Weiterbetrieb des AKW. Ihre Unterstützer von der „Regionalkonferenz Grohnde abschalten!“ fordern seit langem die Stilllegung: Das AKW wäre nicht mehr genehmigungsfähig, Schutz vor großen Gefahren wurde beim Bau nicht berücksichtigt. Nachrüstungen von völlig sinnfreien „Nebelmaschinen“ gegen Angriffe mit Flugzeugen sind nur politische Nebelkerzen, erhöhten aber nicht real die Betriebssicherheit.

„Offensichtlich schlummern häufig Defekte im AKW Grohnde, die von keinem Kontrollsystem erfasst werden und somit mindestens bis zu den Revisionsarbeiten unentdeckt bleiben. Das ist besorgniserregend und muss die Niedersächsische Atomaufsicht endlich alarmieren, entsprechende Maßnahmen anzuordnen“, sagt Karsten Schmeißner von der Regionalkonferenz.

Dass in Grohnde aktuell etwas nicht stimmt, war erst aufgefallen, als zwei Tage nach dem geplanten Revisionsabschluss am 17. April noch immer kein Rauch über den Kühltürmen sichtbar war. Erst auf Nachfrage in Fachkreisen erfuhr die Regionalkonferenz von den Vorfällen. Und erst dann veröffentlichten e.on am 20.4. und das Niedersächsische Umweltministerium am 21.4. entsprechende Pressemitteilungen.

„Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit erst Tage später informiert wird. Die Bevölkerung hat das Recht, unmittelbar nach bekannt werden solcher Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt zu werden,“ so Karsten Schmeißner weiter. Erinnert sei an die Beinahe-Katastrophe vom April 2014 im Französischen AKW Fessenheim. Erst jetzt, zwei Jahre später, ist es Journalisten gelungen, den Vorfall aufzudecken. Mehr Sicherheit schafft nur eines: Die Stilllegung aller AKW!

 

Revision im AKW Grohnde: Schon wieder Befunde!

(KS/21.4.16) Immer wieder werden bei den turnusmäßig stattfindenden Revisionsarbeiten im AKW Grohnde Störungen und Defekte festgestellt. Dieses Mal sind es Undichtigkeiten an Verschraubungen im Volumenregelsystem und eine von vier Nachkühlpumpen, die sich nicht einschalten lässt. „Auf einer Veranstaltung zum Thema Alterungsmanagement im Herbst 2014 behaupteten die Betreiber, mit ihren Überprüfungs- und Managementverfahren alles im Griff zu haben. Doch die Realität zeigt etwas anderes: Offensichtlich schlummern häufig Defekte in ihrer Anlage in Grohnde, die von keinem Kontrollsystem erfasst werden und somit mindestens bis zu den Revisionsarbeiten unentdeckt bleiben. Das ist besorgniserregend und muss die Niedersächsische Atomaufsicht endlich alarmieren, entsprechende Maßnahmen anzuordnen“, sagt Karsten Schmeißner von der Regionalkonferenz.

Dass in Grohnde etwas nicht stimmt, war erst aufgefallen, als zwei Tage nach dem geplanten Revisionsabschluss am 17. April noch immer kein Rauch über den Kühltürmen sichtbar war. Erst auf Nachfrage in Fachkreisen erfuhr die Regionalkonferenz von den Vorfällen. Und erst dann veröffentlichten e.on gestern (am 20.4.) und das NMU heute (am 21.4.) entsprechende Pressemitteilungen. Es heißt, dass die Arbeiten noch zwei Wochen andauern werden. „Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit erst Tage später informiert wird. Die Bevölkerung hat das Recht, unmittelbar nach Bekannt werden solcher Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt zu werden,“ so Karsten Schmeißner weiter. Erinnert sei an die Beinahe-Katastrophe vom April 2014 im Französischen AKW Fessenheim. Erst jetzt, zwei Jahre später, ist es Journalisten gelungen, den Vorfall aufzudecken.

 

Quelle: http://www.grohnde-kampagne.de